Der Corpus Hermeticum (1473) hat nicht nur Paracelsus (1493 bis 1541, 48 Jahre) beeinflusst, sondern ebenso Albertus Magnus (circa 1200 bis 1280, 80 Jahre), Shakespeare (1564 bis 1616, 52 Jahre), Goethe (1749 bis 1832, 83 Jahre), Kleist (1777 bis 1811, 34 Jahre), die Anthroposophie nach Rudolf Steiner (1861 bis 1925, 64 Jahre), etc.

Kurzer geschichtlicher Überblick,

um diese Epoche, das Leben und Denken des Paracelsus besser zu verstehen.

Paracelsus: 1493 – 1541

Zeitgenossen:

Martin Luther (1483 bis 1546, 63 Jahre), Nikolaus Kopernikus (1473 bis 1543, 70 Jahre), Nostradamus (1503 bis 1566, 63 Jahre), Leonardo da Vinci (1452 bis 1519, 67 Jahre), Raphael (1483 bis 1520, 37 Jahre), Albrecht Dürer (1471 bis 1528, 57 Jahre),

Michelangelo (1475 bis 1564, 89 Jahre), etc. Im Jahre 1486 verbietet der Erzbischof von Mainz bei Strafe der Exkommunikation den Druck deutscher Bibelübersetzungen. Bekanntlich erklärt Paracelsus in seiner Basler Zeit (1526), dass nur die deutsche Sprache für die deutsche Wissenschaft geeignet sei und hält zum ersten Mal Vorlesungen in deutscher Sprache.

1530 Kaiser Krönung Karls V. zu Bologna als letzte Krönung eines deutschen Kaisers durch den Papst.

Das erste pharmazeutische Lehrbuch von Paracelsus.

1534 beendet Luther die Bibelübersetzung.

1535 Cordus begründet in Deutschland die Pharmacopoe (verbindliche Regeln wie Arzneimittel zubereitet werden).

1536 erscheint die “große Wundarznei” des Paracelsus.

1545 wird von Valeria Cordus (1515 bis 1544, 29 Jahre, Deutscher Botaniker, Arzt, Pharmakologe und Naturforscher) zum ersten Male Äthyläther aus Alkohol und Schwefel, genannt Schwefeläther, dargestellt.

1543 während – zwei Jahre nach dem Tod von Paracelsus – das Werk des Kopernikus und die Begründung des Kopernikanischen- Weltsystems sich durchsetzen und daneben die neuere Anatomie von Vesalius Andreas (1514 bis 1564, 50 Jahre) begründet wird, wird in Italien die Inquisition durch Carafa Pietro (1476 bis 1559, 83 Jahre) – (er nannte sich Papst Paul IV von 1555 bis 1559) erneuert.

Ist Ihnen aufgefallen, dass sämtliche erwähnten Personen trotz „primitiver Medizin“ – ohne den heutigen medizinischen, chemisch- technischen Wissensstand – sehr alt geworden sind?

Paracelsus 1 – 221: alle Erkenntnis der Welt, die wir Menschen auf Erden besitzen, stammt nur aus dem Lichte der Natur. Dieses Licht der Natur reicht vom Sichtbaren zum Unsichtbaren und ist hier so wunderbar wie dort. Im Lichte der Natur ist das Unsichtbare sichtbar.

Paracelsus denkt im gesellschaftlichen mittelalterlichen Weltbild und dennoch kommen neuzeitliche – eigene – Gedanken und Begriffe hinzu. Er war also in erster Linie Arzt und erst in zweiter einen “Reformator”. Er hat scheinbar nie die Absicht gehabt Einzelheiten und Detail zu beschreiben, sondern ein Prinzip klar und deutlich aufzuzeigen.

Paracelsus: ich rede und schreibe für die, die die Grundbegriffe haben und nicht mehr Schützen sind. (1 – 618) Paracelsus wollte das Prinzip der Spagyrik deutlich aufzeigen und zum Wohle der Menschen angewandt wissen.

Spagyrik

dieses Wort kommt aus der griechischen Sprache und ist zusammengesetzt aus den beiden Wörtern trennen und vereinigen, zusammenführen.  Es handelt sich um einen Begriff aus der Alchimie. Spagyrik ist der therapeutische Teil der Alchimie – der Wissenschaft vom Leben in der Materie. Gleichzeitig ist Alchimie auch Philosophie im alten Sinne, der Alchemist wird auch als der Philosoph bezeichnet.  Die ältesten Hinweise auf eine Existenz der Alchimie findet man in China, Indien und Ägypten. Paracelsus war sicherlich der bekannteste und zugleich letzte bekannte europäische Alchemist und Spagyriker. Von da an wurde der nichtmedizinische Teil der Alchimie fast ausschließlich mit der künstlichen Herstellung von Gold assoziiert. Der medizinische Teil wurde von Geschäftemachern, Scharlatanen und Jahrmarktheilern in Verruf gebracht.

Johann Rolf  Glauber (1604 bis 1670, 66 Jahre) verfasste 1654 eine Pharmacopoea Spagyrica, die eine Anleitung zur Herstellung von Heilmitteln enthielt. Die Folge war die Konzentration auf Wirksubstanzen. Lässt man den philosophischen Hintergrund unbeachtet, dann erscheint die Spagyrik als eine Erweiterung der Phytotherapie durch mineralische, metallische und manchmal tierische Grundstoffe.  Spagyrik ist in der universitären Medizin nicht bekannt.  Spagyrik darf nicht mit Homöopathie verwechselt werden! Diese beiden Lehren haben gegensätzliche Ansatzpunkte.  Die Homöopathie versucht, den Körper mittels Informationen (dynamis – Potenz – Möglichkeit) welche in eine neutrale Trägersubstanz imprägniert sind – nach dem Ähnlichkeitsprinzip – zu einer heilenden Selbstregulierung anzuregen.

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